Pfingstritt in Hessen
Wander- oder Sternritte im Vogelsberg

Reiten unterliegt in Deutschland je nach Bundesland eigenen Gesetzen, so ist z.B. in NRW das Reiten nur auf öffentlichen Straßen und auf Wegen die ausdrücklich als Reitwege ausgeschildert sind erlaubt. In Hessen gilt dagegen: Reiten ist überall erlaubt, es sei denn es ist durch Schilder ausdrücklich verboten. Also beste Voraussetzungen für einen mehrtägigen Ritt. Und was bietet sich mehr an, als ans Pfingstwochenende vorne oder hinten einen Urlaubstag dran zu hängen um einen Teil des Naturschutzgebietes Vogelsberg zu erreiten?

Eine Auswahl von Wanderreitstationen im Gebiet Vogelsberg findet man unter: http://www.reitstationen.de.

1998 hatten wir unsere Reise so organisiert, daß wir die Pferde Freitags am frühen Vormittag in aller Ruhe in Ratingen (bei Düsseldorf) verladen konnten. Das gesamte Gepäck hatten wir schon am Vorabend verstaut. Da wir uns den "Fair Oaks"-Pferdetransporter leihen konnten, mußten wir auch nicht mit mehreren Hängern umhergondeln und kamen kurz nach Mittag sehr entspannt in Grünberg an. Unsere dort ansässigen Freunde hatten auf ihrer Wiese schon Paddocks für uns abgesteckt, so daß sich die Pferde erstmal auf dem Gras von der Fahrt erholen konnten. Währenddessen verteilten wir unser Gepäck so auf zwei Autos, daß wir jeweils an den späteren Anlaufstationen das benötigte vorfinden würden. Am Abend machten wir dann noch einen kurzen Kennenlernritt für die beteiligten Pferde und stellten die bepackten Autos an den Wanderreitstationen ab. Am nächsten Morgen sollte es dann nach ausgiebigem Frühstück losgehen.
Nachdem am Samstagmorgen Tier und Mensch gefrühstückt hatten, geputzt und gesattelt war und alle Zeichen auf "Go" standen fing es an zu regnen. Ein durchdringender, aber warmer Frühlingsregen, der es nicht schaffte unsere gute Laune zu verderben, obwohl der Regen den ganzen Vormittag, vorbei an Wiesen und durch Wälder unser Begleiter blieb. Unsere erste Rast hielten wir nach ca. 2,5 Stunden bei Bekannten, die uns mit heißem Kaffee und Kuchen versorgten. Auf unserem weiteren Weg hörte es dann irgendwann auf zu regnen und am Nachmittag kam sogar noch die Sonne raus. Trotzdem waren wir froh, als wir endlich am Johanneshof in Stumpertenrod ankamen, die Pferde versorgt hatten und aus unseren nassen Klamotten herauskamen. Das kleine Schwimmbad, dessen Benutzung uns freistand war ein Genuß und nach einem Guten Essen und einem lustigen Abend fielen wir müde aufs Lager. Der nächste Morgen begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein. Logisch, daß wir zusahen so schnell wie möglich wieder in den Sattel zu kommen. Und jetzt bei diesem Wetter machte es nochmehr Spaß durch die schöne Landschaft zu reiten. An den Rändern von Kräuterwiesen entlang, über Feld- oder Waldwege. Jede Stunde im Sattel ein Genuß. Unsere Mittagsrast legten wir an einer Kräuterwiese ein, die eine Lichtung im Wald bildete und stärkten uns aus dem Fundus unserer Satteltaschen. Da wir die zweite Tagesetappe etwas kürzer geplant hatten als die erste, kamen wir schon recht bald in Höhrweite des einzigen Wermutstropfens den der gesamte Ritt zu bieten hatte. Kurz vor unserem Ziel dem Oberweider Hof würden wir an einer ziemlich unübersichtlichen Stelle die Kurvenreiche Straße nach Schotten überqueren müssen. Und auf dieser Strecke versucht eine dem Geschwindigkeitswahn verfallene Gemeinde von Motorradfahren ständig sich selbst zu dezimieren. Mit recht gutem Erfolg wie man hört. Wir passierten diese Stelle trotzdem völlig Problemlos und erreichten kurz darauf den Oberweider Hof. Uns empfing ein "All you can eat"-Grillabend mit selbsterzeugten Produkten dieses Biohofs für DM 20,- pro Person. Bei dem Hunger, den wir mitbrachten mit Sicherheit ein Verlustgeschäft für die Betreiber. Die Nacht verbrachten wir dann in den Ferienwohnungen des Hofes, die wir für denselben Preis bekamen den die von uns gebuchten Mehrbettzimmer gekostet hätten. Nach einem recht spartanischem Frühstück (wohl die Rache für die Völlerei beim Grillen) machten wir die Pferde klar und uns bereit um die letzte Etappe zurück nach Grünberg anzutreten. Das Wetter war wieder auf unserer Seite. Und so konnten wir während der nächsten sechs Sattelstunden, die natürlich in regelmäßigen Abständen durch Fußgänge und Pausen unterbrochen waren, die Reitze der hessischen Landschaft wieder in strahlendem Sonnenschein genießen. Gegen Nachmittag kamen wir unserem Ziel näher und alle mußten zugeben, daß man auch irgendwie angenehm kaputt war. Wir hatten rund 120 Kilometer an drei Tagen zurückgelegt und unterwegs jede Menge Spaß gehabt. Ein langes Wochendende mit dem Erhohlungswert eines dreiwöchigen Urlaubs und voll mit Eindrücken, an die man immer wieder gerne zurückdenkt.

In 2000 hatten wir uns über Pfingsten wieder auf dem Oberweider Hof einquartiert. Diesmal war neben den Hauptmahlzeiten auch das Frühstück gut, ausgewogen und reichhaltig. Wir hatten uns vorgenommen sternförmig die Wälder um Schotten zu erreiten, mußten reittechnisch aber leider etwas hinter unseren Vorstellungen zurückbleiben, da wir die gesamte Zeit über Mittagstemperaturen jenseits der 30° Grad hatten. So entschlossen wir uns Morgens nur kleinere Touren zu reiten und die Pferde recht früh bis zum späten Nachmittag in die kühleren Boxen zu stellen. Erst kurz vor der Dämmerung kamen die Pferde dann bis Spät auf die Wiese. Wohl auch wegen der Armeen von Pferdebremsen die beste Lösung. Trotzdem war auch dieser zweite Pfingstritt am Vogelsberg wieder ein wunderbares Erlebnis.
Ritt im Regen

Auch wenn's regnet, muß die Tour ja nicht ins Wasser fallen.

Pause für Bess

Regelmäßige, kurze Pausen sind für Roß und Reiter gut. 

zu Fuß

Zwischendurch auch immer mal ein Stück der Strecke zu Fuß. Das vertritt die Beine und schont die Pferde.

Pause im Grünen
Und wiedermal Gras für's Pferd und 'nen Apfel für Gitti.
abends im Johannes Hof
Und abends bei gutem Essen und kühlen Getränken den nächsten Tag planen und relaxen. (Johannes Hof in Stumpertenrod)