Wilde Pferde

Wildhaltung und Wiederauswilderung in Deutschland

Schauplatz ist die Geltinger Birk im März 2002: Eine Herde von elf Pferden (zehn Stuten und ein Hengst) wird in die Freiheit entlassen. Die Freiheit besteht Anfangs nur aus einem 32 Hektar großen Arenal auf der insgesamt 800 Hektar großen Halbinsel in Schleswig Holstein. Nach und nach soll den Pferden eine Fläche von 500 Hektar geöffnet werden, auf der sie frei leben können und hoffentlich eine Herdenstärke von ca. 100 Tieren erreichen.

Die ausgewilderten Tieren lebten bisher kaum vom Menschen beeinflusst als Teil einer größeren Herde von freilebenden Koniks in einem niederländischen Naturschutzgebiet.

Die bis zu 1,30 Meter großen Koniks gehören zu den sogenannten Primitivrassen. Sie stehen als Nachfahren des einst in ganz Mitteleuropa freilebenden Tarpan (Equus gmelini), den frühen Wildpferden näher als domestizierte Hauspferderassen. Denn bevor die letzten Exemplare der Tarpane am Anfang des 19. Jahrhunderts ausgerottet wurden, fingen polnische Bauern etliche der robusten Tiere ein, um mit ihnen ihren Bestand an Arbeitspferden zu vergrößern.

Und wie ergeht es den Pferdchen auf der Birk in ihrem neuen Zuhause? Leider gab es Anfangs einige Startschwierigkeiten. Aufgrund des hohen Nahrungsangebotes und einer dadurch resultierenden Trägheit der Tiere war zuwenig Bewegung in der Herde. Und obwohl bereits im ersten Jahr drei gesunde Fohlen geboren wurden, waren bei den Stuten ein Todesfall durch Kolik und zwei weitere durch eine Fettvergiftung zu beklagen. Das im Sommer so reichlich angelagerte Fett wurde in den kargen Wintermonaten zu schnell abgebaut. Die Folge war Leberversagen. Der Rest der Herde jedoch konnte den ersten harten Winter gut überstehen und so gab es in 2003 bereits wieder dreifachen Nachwuchs.

Das Auswilderungsprogramm auf der Geltinger Birk ist in dieser Größer und Gesamtkomplexität bisher einmalig. Trotzdem ist es nicht das einzige "Wildpferde"-Programm in Deutschland.

So schufen die Herzöge von Croy bereits zu Mitte des 19. Jahrhunderts ein mittlerweile 350 Hektar großes Reservat im Meerfelder Bruch in der Nähe von Dülmen. Die ca. 300-Köpfige Herde bildet heute das einzige verbliebene Wildgestüt auf dem europäischen Kontinent.

An vielen weiteren Orten in Deuschland leben wieder Koniks, Przewalski-Pferde und andere Arten, meist zusammen mit Robustrindern wie Galloways oder Wisenten in relativer Freiheit.

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Konik horses in river foreland of the Nederrijn; Michiel Wijnbergh Environmental Pictures http://www.wijnbergh.demon.nl
Koniks in einem niederländischem Naturschutzprojekt am Niederrhein.

Bildrechte mit freundlicher Genehmigung bei: Michiel Wijnbergh Environmental Pictures; www.wijnbergh.demon.nl